Case Study | Virtuelle Inbetriebnahme & Digitaler Zwilling

Digitaler Zwilling parallel zur realen Anlage

Wie ein internationaler Automobilhersteller von der virtuellen Trainingszelle zum dauerhaft betriebenen Anlagenzwilling gekommen ist

Kontrollraum einer industriellen Produktionsanlage
Virtuelle Inbetriebnahme Digitaler Zwilling RF::SUITE Automotive
01 Training: Virtuelle Trainingszelle für Anlagenzulieferer und Instandhaltung
02 VIBN: Virtuelle Absicherung der Steuerungssoftware vor Ort
03 Digitaler Zwilling: Abgleich der virtuellen Modelle mit den realen Anlagendaten
04 Betrieb: Dauerhafte Nutzung parallel zur laufenden Produktion

Ausgangssituation

Ein neuer Standard, neue Anforderungen

Mit der Einführung eines neuen konzernweiten Steuerungsstandards stand der Automobilhersteller vor der Herausforderung, bestehende Qualifizierungs- und Trainingskonzepte neu auszurichten. Die Umstellung betraf nicht nur die eingesetzte Steuerungstechnik, sondern auch die Anforderungen an die beteiligten SPS-Programmierer und das eigene Instandhaltungspersonal.

Insbesondere die SPS-Programmierer der Anlagenzulieferer mussten frühzeitig mit dem neuen Standard vertraut gemacht und entsprechend qualifiziert werden. Gleichzeitig sollte das eigene Instandhaltungspersonal bereits vor der Inbetriebnahme die neue Steuerungsphilosophie, Anlagenlogik und Bedienkonzepte kennenlernen.

Eine Qualifizierung direkt an der realen Produktionsanlage war hierfür jedoch nur eingeschränkt möglich. Während Aufbau und Inbetriebnahme standen die Anlagen nicht dauerhaft zur Verfügung und sollten zudem nicht durch Trainings- und Schulungsaktivitäten zusätzlich belastet werden.

Gesucht wurde deshalb eine praxisnahe Trainingsmöglichkeit, die unabhängig von der realen Anlage genutzt werden konnte.

Der Einstieg

Die virtuelle Trainingszelle

Aus einem konkreten Schulungsbedarf entsteht der erste Digitale Zwilling.

Gemeinsam mit EKS InTec entstand eine virtuelle Trainingsanlage mit der RF::SUITE, die den neuen Steuerungsstandard realitätsnah abbildet. Anhand eines bewusst überschaubaren Anlagenmodells konnten die SPS-Programmierer des Zulieferers für den neuen Programmierstandard qualifiziert und ihre Kenntnisse überprüft werden. Darüber hinaus diente die Trainingsumgebung der Schulung des eigenen Instandhaltungspersonals.

Somit erfüllte das Modell von Beginn an zwei Aufgaben:

  • Qualifizierung der Anlagenzulieferer auf den neuen Konzernstandard
  • Schulung und Vorbereitung des eigenen Instandhaltungspersonals

Der Automobilhersteller erhielt damit nicht nur eine Trainingslösung, sondern sammelte gleichzeitig erste praktische Erfahrungen mit Digitalen Zwillingen und virtuellen Anlagenmodellen.

Neue Möglichkeiten

Der Digitale Zwilling kann mehr

Während der Nutzung entstehen neue Ideen für den Einsatz über das Training hinaus.

Die Erfahrungen aus der virtuellen Trainingsumgebung zeigten schnell, dass sich das virtuelle Anlagenmodell auch für weitere Anwendungen nutzen lässt. Gleichzeitig war die Virtuelle Inbetriebnahme (VIBN) bei den neuen Anlagen bereits Bestandteil des Vorgehens der Anlagenbauer.

Damit entstand eine neue Perspektive: Warum das für die VIBN aufgebaute virtuelle Anlagenmodell nach der Inbetriebnahme nicht weiter nutzen?

Die für die VIBN erstellten Modelle wurden mit den aktuellen Daten der realen Anlagen abgeglichen und zu einem Digitalen Zwilling der Produktionszellen weiterentwickelt. So entstand neben der realen Anlage eine virtuelle Anlage, die dauerhaft für Tests, Schulungen und Optimierungen zur Verfügung steht.

Aus der Kombination von Schulungsmodell und Virtueller Inbetriebnahme entstand damit ein neuer Anwendungsfall: die virtuelle Anlage parallel zur realen Produktion.

Virtuelles Anlagenmodell in RF::SCOUT

Heute

Virtuelle Anlage parallel zur Produktion

Der Digitale Zwilling wird zum Werkzeug für den laufenden Anlagenbetrieb.

Heute betreibt der Automobilhersteller den Digitalen Zwilling parallel zur realen Produktionsanlage.

Das virtuelle Modell steht unabhängig von der laufenden Produktion für Tests, Schulungen und Optimierungen zur Verfügung.

Neue Änderungen an SPS-Programmen oder Anlagenabläufen können zunächst virtuell getestet werden. Ebenso lassen sich neue Ideen und Prozessvarianten untersuchen, ohne die reale Produktion zu beeinflussen.

Dadurch können Änderungen besser vorbereitet, Risiken frühzeitig erkannt und Eingriffe in die laufende Produktion reduziert werden. Gleichzeitig steht eine realitätsnahe Umgebung für Schulungen und die kontinuierliche Weiterentwicklung der Anlage zur Verfügung.

Damit hat sich der ursprüngliche Anwendungsfall grundlegend weiterentwickelt:

Was als virtuelle Trainingszelle für die Qualifizierung begann, ist heute ein dauerhaft genutzter Digitaler Zwilling der Produktionsanlage.

Entwicklung

Vom Schulungsmodell zum dauerhaft genutzten Anlagenzwilling

Trainingszelle

Praxisnahe Qualifizierung der SPS-Programmierer und Vorbereitung des Instandhaltungspersonals.

Virtuelle Inbetriebnahme

Weiterverwendung der für die VIBN aufgebauten Anlagenmodelle nach der realen Inbetriebnahme.

Parallelbetrieb

Dauerhafter Digitaler Zwilling für Tests, Schulungen und Optimierungen neben der realen Produktion.

Mehrwert

Nutzen im laufenden Anlagenbetrieb

01

Virtuelle Tests: Änderungen an SPS-Programmen und Anlagenabläufen werden geprüft, bevor sie die reale Produktion erreichen.

02

Produktion bleibt unberührt: Neue Ideen und Prozessvarianten lassen sich untersuchen, ohne die laufende Anlage zu beeinflussen.

03

Frühe Risikoerkennung: Änderungen können besser vorbereitet und mögliche Probleme frühzeitig sichtbar gemacht werden.

04

Weniger Eingriffe: Virtuelle Absicherung reduziert notwendige Eingriffe in die laufende Produktion.

05

Realitätsnahe Schulung: Mitarbeitende können unabhängig von Verfügbarkeit und Zustand der realen Anlage trainieren.

06

Kontinuierliche Optimierung: Der Digitale Zwilling bleibt erhalten und wächst gemeinsam mit der Produktionsanlage weiter.

Fazit

Nachhaltiger Mehrwert über den gesamten Lebenszyklus

Was mit einer überschaubaren virtuellen Trainingszelle begann, hat sich Schritt für Schritt zu einem dauerhaft genutzten Digitalen Zwilling der realen Produktionsanlage entwickelt.

Die Virtuelle Inbetriebnahme war dabei ein wichtiger Baustein auf diesem Weg: Die dafür erstellten virtuellen Anlagenmodelle wurden nach der Inbetriebnahme nicht verworfen, sondern mit den realen Anlagendaten weitergeführt und für den laufenden Betrieb nutzbar gemacht.

So entsteht aus einem zunächst projektbezogenen virtuellen Modell ein dauerhaft nutzbares Werkzeug für den Anlagenbetrieb, für Tests, Änderungen, Optimierungen und die Qualifizierung von Mitarbeitenden.

Der entscheidende Vorteil: Das virtuelle Modell wird nicht nur einmal für die Inbetriebnahme genutzt, sondern bleibt als digitale Repräsentation der realen Anlage erhalten und schafft damit einen nachhaltigen Mehrwert über den gesamten Lebenszyklus der Anlage.

„Das Spannende an diesem Projekt ist, dass der Digitale Zwilling nicht mit der Inbetriebnahme endet. Aus der virtuellen Trainingszelle ist eine feste Einrichtung im Werk geworden, die parallel zur realen Anlage läuft und täglich genutzt wird. Genau so verstehen wir Digitalisierung: klein anfangen, einen konkreten Nutzen schaffen und die Umgebung Schritt für Schritt mitwachsen lassen.

— Dimitri Biegert, Produktmanager, EKS InTec

EKS InTec begleitet Unternehmen von der virtuellen Trainingsumgebung über die Virtuelle Inbetriebnahme bis zum dauerhaft genutzten Digitalen Zwilling.

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